Fitness & Party - passt das?

Fitness/Athleten-Lifestyle vs. Alltag vs. Party-Lifestyle

Kann man alles haben?

von Holger Gugg

Liebe Leserinnen und Leser, Liebe Kundinnen und Kunden von Sportnahrung Engel,

was ist für Euch das Allerwichtigste? Ist es, dass zu Hause alles rund läuft, dass Kohle in die Kasse kommt und das ihr in einer glücklichen Partnerschaft lebt? Ist es der sportliche Erfolg der absolute Priorität hat, oder ist es die Zeit von Donnerstag bis Sonntag in der auf Teufel komm raus Party angesagt ist? Je nachdem wie die Antwort ausfällt wird auch Euer Leben in eine bestimmte Richtung gedrängt und davon beeinflusst werden. Partymenschen legen keinen großen Wert auf bewusste Ernährung oder einen Sixpack, ebenso wenig wie echte Athleten darauf aus sind, jedes Wochenende einen Promille-Rekord aufzustellen.

Die Frage die dennoch berechtigterweise immer wieder auf kommt ist, ob es denn gar nicht möglich ist als Athlet auch einen „normalen“ Alltag zu bestreiten oder hier und da mit Freunden auszugehen? Kann man als Athlet wirklich nur noch mit Seinesgleichen auskommen oder besteht die Möglichkeit alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen?

Einige Gedanken zu diesem Thema gibt es heute von mir. Ich wünsche viel Spaß

Alltag

Alltagsbewältigung ist die Basis eines jeden weiteren Lifestyles, da wir über unseren Alltag unsere Existenz sichern. Weder der Fitness-Lifestyle noch der Party-Lifestyle verdienen für gewöhnlich die Brötchen, sorgen dafür dass wir etwas zu anziehen haben oder dass es in der Wohnung warm ist. Alleine diese kurze Einleitung verdeutlicht schon das egal was wir tun unser Alltag davon niemals in Mitleidenschaft gezogen werden darf. Es ist wichtig seine Arbeit gut zu machen, zu Hause den Papierkram zu erledigen, die Wohnung sauber zu halten oder sonstigen Verpflichtungen nach zu gehen die das Leben für uns alle bereithält. Gott sei Dank machen all diese zeitraubenden Dinge nicht alleine den Alltag aus.

Auch die soziale Komponente verankert sich stark im Alltag. Gemeint sind damit zum einen natürlich Partnerschaft und Familie aber auch Arbeitskollegen oder sonstige Bekanntschaften die sich aus dem Alltag ergeben. Unser alltägliches Umfeld ist das was uns im Falle eines Falles Rückhalt gibt und Stärke verleiht, darum sollte man sich die Zeit nehmen auch diesen Teil des Alltags nicht zu vernachlässigen.

Was sich hier leicht liest, wird täglich für etliche Menschen zum großen Problem. Schlechte Noten, ein verlorener Job, ein gekündigter Mietvertrag, eine ungewollte Schwangerschaft, Mobbing am Arbeitsplatz, eine große Rechnung für die Autoreparatur, eine hohe Nachzahlung für Strom und Heizung und noch etliche weitere Alltäglichkeiten bringen einen manchmal in der Tat aus dem Gleichgewicht. Hier ist es dann umso wichtiger, einen sonst geregelten Alltag zu haben der einem Halt verleiht. Im Zuge dessen kommt jetzt auch das Thema Freundschaften ins Spiel. Sie stellen das Bindeglied zwischen Alltag und Lifestyle dar. Natürlich sucht man sich seinen Freundeskreis da wo auch ein Großteil der eigenen Freizeit stattfindet es kann es aber auch sein, dass sich Freundschaften aus dem Alltag entwickeln und sich damit eben nicht auf sportlichen Interessen begründen. Beide Arten von Freundschaften gilt es zu pflegen.

Die wichtigsten Eckpunkte des Alltags

  • Alltag bedeutet Existenz und Rückhalt
  • Alltag bedeutet Verantwortung und Verpflichtung
  • Alltag bedeutet einen geregelten Ablauf
  • Alltag bedeutet Zeit für Heim, Arbeit, Familie und Freunde

Fazit

Ein solider, geregelter Alltag stellt die Grundlage unseres Daseins dar. Er kostet uns Nerven und Zeit, gibt uns aber auch Halt und schafft vor allem die Basis dafür, in seiner Freizeit einem gewissen Lifestyle nachgehen zu können. Zu keiner Zeit sollte ein Lifestyle ganz egal wie er heißt den Alltag negativ beeinflussen

Finess/Athleten-Lifestyle

Fitness-Lifestyle

Fitness definiert sich als Zustand der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie konditioneller und koordinativer Fähigkeiten. Je „fitter“ man ist, desto besser sind besagte Eigenschaften ausgeprägt. In der ersten Instanz verfolgt man mit einer guten Fitness übergeordnete Ziele wie Wohlbefinden und Gesundheit. Die Bandbreite derer, die also dem Fitness-Lifestyle nacheifern ist relativ groß und von steigender Tendenz. Das Streben nach Fitness lässt sich mit dem Alltag hervorragend kombinieren. Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf als typische Merkmale von „Fitness“ kommen allesamt auch dem Alltag zu Gute.

Die wichtigsten Eckpunkte des Fitness-Lifestyles

  • Fit sein bedeutet leistungsfähig sein

  • Fitte Menschen legen Wert auf Gesundheit und Wohlbefinden

  • Fitte Menschen legen Wert auf Ernährung, Bewegung und sind körperbewusst

Fazit

Fitness-Lifestyle und Alltag lassen sich hervorragend kombinieren. Wenn der Fitness-Level steigt, erhöht sich damit auch die Leistungsfähigkeit im Alltag – eine WinWin-Situation

Athleten-Lifestyle

Auf den Fitness-Lifestyle folgt für einige von uns dann der Athleten-Lifestyle. Dieser ist geprägt von Attributen wie Planung, Organisation, Disziplin, Beständigkeit und Ehrgeiz. Beinahe alle verfügbare Zeit nach dem Alltag wird dafür aufgewendet. Priorisierte Ziele sind nicht mehr Gesundheit und Wohlbefinden sondern die Maximierung sportlicher Leistungen die je nach Disziplin völlig unterschiedlich ausfallen können. Eine möglichst schnelle Sprintzeit, ein gutes Ergebnis beim Marathonlauf oder Radrennen, persönliche Bestleistung im Kraftdreikampf oder eben wie in der Bodybuilding-Szene das Bodyforming mit dem großen Ziel einer Wettkampfteilnahme, all das können Ziele eines Athleten sein die unmittelbar in den Vordergrund rücken und damit auch in den Alltag eingreifen.

Es wird also „extrem“. Mehr Training, Ernährung nach Plan und ein gewisser Körperkult der sich entwickelt, all das erhöht die Gefahr, dass sich die Prioritäten verschieben und der Alltag dadurch Schaden davon trägt. In meinen Augen muss das aber nicht sein, solange man den Blick aufs Wesentliche nicht verliert. Jeder der sich dem Athleten-Lifestyle verschreibt wird gerade in Sachen Verständnis mit seinem sonstigen Umfeld die eine oder andere Erfahrung machen müssen und auch Entscheidungen zu treffen haben. Was es vor allem braucht ist Verständnis oder zumindest Toleranz. Teilweise lässt sich dies einfordern, solange man nicht versucht anderen Menschen seinen Lifestyle aufzudrücken, es wird aber auch Personen geben mit denen das nicht zu machen ist und genau hier wird es kompliziert und einige zwischenmenschliche Entscheidungen müssen her.

Ist die Sache mit dem Umfeld geklärt ist der Rest in der Tat nur noch Organisation. Aus Erfahrung weiß ich, dass gute Athleten wahre Organisationstalente sind bei denen die Kombination Alltag / Athleten-Lifestyle hervorragend funktioniert. Zeitraubende Hobbys haben wir alle, somit sollte es kein Problem sein, sich die Zeit fürs Training nach Feierabend oder davor frei zu schaufeln. Eine schlechte Idee ist es, im Training Freundschaften auszuleben. Wer nach jedem Satz meint das Neueste vom Tage mit dem Kollegen oder der neuen besten Athletenfreundin besprechen zu müssen wird zwar immer “up to date“ sein, mit den Fortschritten aber einerseits schnell ins Hintertreffen geraten und andererseits auch unendlich viel Zeit im Studio verplempern, darum rate ich Euch im Training zu trainieren, getreu dem Motto:

„IAM NOT HERE TO TALK“ (gilt im Übrigen auch für Smart-Phones)

Nachdem wir nun einen Haken hinter das soziale Umfeld und das Thema Training gesetzt haben müssen wir uns nun noch der großen Komponente Ernährung widmen. Fest steht, dass wir uns athletenkonform und damit grundlegend anders als der Otto-Normalverbraucher ernähren müssen was aber nicht heißt, das all unser Essen aus der Tupperdose stammen muss oder wir zeitlebens mit Ausnahme von Cheating-Days in unseren vier Wänden speisen müssen. Abendliches Essen gehen mit Freunden, Frühstücks-Brunch am Sonntagvormittag, Picknick im Freien in Sommermonaten und sogar Familienfeiern kann und sollte man durchaus auch als Athlet besuchen. Wird essen bestellt und gereicht, fällt mir heutzutage so gut wie kein Restaurant mehr ein in dem man nicht etwas Sportlerkonformes bekommen würde. Als Kunde bist du König darum bestell dir deinen Salat zum „selbst anmachen“ lass dir dein Fleisch grillen und nicht frittieren und verzichte eben auf Pommes Frites als Beilage und bestelle stattdessen gedünstetes Gemüse. Für Picknick und Familienfeiern lässt sich plankonformes essen inzwischen ganz bequem zubereiten und zum Beispiel via Meal-Bag transportieren. Euer Umfeld wird es akzeptieren wenn ihr das alles lange genug betreibt, also keine Sorge deswegen.

Eines lässt sich nicht beschönigen und zwar die Zeit in der sich aktive Athleten in der echten Wettkampfvorbereitung befinden. Diese 12 bis 16 Wochen stellen eine riesige Hürde und eine extrem große Zerreißprobe für jede Beziehung sowie das komplette Umfeld dar. Als Athlet kann ich Euch nur den Rat geben, ein solches Vorhaben vorab mit all denen zu besprechen, die Euch wirklich am Herzen liegen. Bereitet Sie auf die kommende Zeit vor in der es in der Tat auf unschöne Art und Weise heiß her gehen kann.

Vertraute, die eine Wettkampfdiät mit Euch durchstehen werden auch bei allen anderen Lebenssituationen für Euch da sein -- verlasst euch drauf!

Die wichtigsten Eckpunkte des Athleten-Lifestyle

  • Athlet sein bedeutet Disziplin und Entbehrungen
  • Athlet sein bedeutet strikte Vorgaben bei Ernährung, Training und Regeneration
  • Athlet sein bedeutet dass nicht jeder verstehen wird was ihr tut

Fazit

Athlet zu sein bedeutet auf eine gewisse Art und Weise sich eine eigene kleine Welt aufzubauen die nicht von allen Personen aus dem Alltag verstanden werden kann. Wenn man es richtig angeht, wird aus anfänglicher Ablehnung aber schnell Interesse an der Sache und irgendwann sogar Bewunderung. Die restlichen Anforderungen lassen sich dann mit einem guten Organisationstalent meistern und stellen keinesfalls ein Hindernis dar, Alltag und Athletendasein unter einen Hut zu bekommen

Party-Lifestyle

Bisher haben wir alles noch sehr schon unter einen Hut bekommen, jetzt wird es aber schwierig. Wer dem Party-Lifestyle nacheifert müht sich durch langweilige Tage Montag bis Mittwoch und versucht „vor zu schlafen“, da für viele bereits ab Donnerstag Abend das Wochenende und damit die Zeit beginnt, in der man sich die Nächte in Clubs, Diskotheken oder Bars mit Alkohol, Nikotin und/oder Partydrogen um die Ohren haut. Die Nacht wird zum Tag gemacht und wenn es ganz gut läuft, endet der Abend sogar noch mit einem One-Night-Stand.

Ok, dieses Szenario ist sicher der Worst-Case, die Frage die sich stellt ist aber dennoch, ob sich regelmäßige Partynächte mit dem Athleten-Lifestyle vereinbaren lassen.

Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich, dass die Antwort hier NEIN lauten muss

Da wäre zum einen das Thema Alkohol.

Hier geht das National Institute of Health davon aus, dass Alkohol die Testosteronproduktion über vier Mechanismen vermag zu senken. Välimäki und Kollegen zeigten in deren Untersuchung, dass eine größere Menge Alkohol für 24 Stunden nach der Aufnahme das Testosteronaufkommen senkt und dafür das Cortisolaufkommen erhöht. Auch eine Studie an männlichen Soldaten ergab in Verbindung mit der Aufnahme von Alkohol niedriger Werte bei freiem Testosteron kombiniert mit einem erhöhten Aufkommen an Östrogen. Dem nicht genug, verändert Alkohol auch grundlegend den Metabolismus was sich mitunter in einer deutlichen verminderten Fettverbrennung und einer erhöhten Kohlenhydratverbrennung niederschlägt. Eine weitere Auswirkung von Alkohol ist die Abnahme der Schlafqualität. Auch wenn Alkohol in einer bestimmten Dosierung schläfrig macht bedeutet dies nicht, dass wir unter Alkoholeinfluss besser schlafen, im Gegenteil, Roehrs et al belegen in deren Arbeit eine deutlich abgesenkte Schlafeffizienz unter Alkoholeinfluss.

… wo wir gerade beim Thema Schlaf sind.

Wer regelmäßig schlecht oder zu wenig schläft muss mit einer herabgesetzten Insulinsensibilität, erhöhtem Cortisolaufkommen, einer herabgesetzten Testosteronsynthese, herabgesetzter Leistungsfähigkeit und zudem mit Heißhunger am Morgen nach der schlafarmen Nacht rechnen, was sich letztlich negativ auf die Körperzusammensetzung niederschlägt. Ach ja, auch das Aufkommen an Wachstumshormon wird davon gestört außerhalb des Biorhythmus zu leben oder zu wenig zu schlafen, auch das lässt sich eindeutig nachweisen ebenso wie die Tatsache, dass wir uns unter Schlafmangel instinktiv weniger bewegen und auch weniger leistungsfähig sind. Das wiederum wird sich negativ auf unser Training und damit auf sportliche Erfolge niederschlagen.

Die wichtigsten Eckpunkte des Party-Lifestyle

  • Party bedeutet wenig oder schlechten Schlaf
  • Party bedeutet Alkohol und sonstige „Partymaker“ (zumindest in den meisten Fällen)
  • Party bedeutet negative Effekte auf Hormone die Körperzusammensetzung und die Regeneration

Fazit

Sieht man sich die Auswirkungen des Party-Lifestyle an ergibt sich daraus eindeutig, dass eine Entscheidung her muss. Athlet und Partylöwe gleichzeitig zu sein ist nicht machbar, was an dieser Stelle nicht heißen soll, dass man sich als Athlet nicht auch hier und da am Nachtleben seiner Freunde beteiligen sollte. Häufigkeit, Ausmaß sowie Art und Weise müssen aber dennoch an die priorisierte Zielsetzung des Athletendaseins angepasst sein. Wahrscheinlich werden Athleten aus diesem Grund gerne als „Spaßbremsen“ bezeichnet aber damit müssen Sie eben leben

Resümee

Unsere Ausgangsfrage muss zumindest hinsichtlich der beiden Extreme des Athleten-Lifestyles und Party-Lifestyles mit einem NEIN beantwortet werden. Die gute Nachricht ist aber, dass es durchaus möglich ist als „alltagstauglicher“ Athlet durchs Leben zu gehen wenn man es richtig anstellt.

Sportlicher Gruß

Holger Gugg

www.body-coaches.de

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Quellen

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6443186

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