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Ecdysteron aus Spinat: Kann der Extrakt die Leistung steigern?

Spinat ist derzeit in aller Munde. Das im Spinat enthaltene Phytosteroid Ecdysteron soll einer Studie zufolge die Leistung von Sportlern steigern können.

Zugegeben: Spinat ist nicht jedermanns Sache. Entweder man mag ihn oder nicht. Dass plötzlich immer mehr Sportler zu dem knallgrünen Gemüse greifen, dürfte an einer internationalen Studie liegen, die unter Beteiligung der Freien Universität Berlin veröffentlicht wurde. Dieser Studie zufolge soll die im Spinat enthaltene Substanz Ecdysteron zu einem besseren Muskelaufbau und einer besseren Leistungsfähigkeit beitragen können. Hier erfährst du, was Ecdysteron ist und welche Wirkungen der Substanz zugesprochen werden.

Was sind Ecdysterone?

Viele Sportler dürfte es freuen, dass Spinat laut einer Studie leistungssteigernd wirken soll. Immerhin ist Spinat eines der gesündesten Lebensmittel, das schon Popeye zu schätzen wusste, um seine Kraft zu steigern und massive Muskeln aufzubauen. Spinat ist reich an Vitaminen, Mineralien und pflanzlichen Proteinen. Nicht zu vergessen Eisen – ein Spurenelement, das für die Zellbildung und die Zellatmung unverzichtbar ist und bei der Energiebereitstellung eine große Rolle spielt.

Dass Spinat in Verbindung mit Sport zu einer besseren Leistungsfähigkeit und einem besseren Muskelaufbau beitragen kann, dürfte sich wohl positiv auf den Spinatkonsum auswirken. Vermutlich landet das grüne Blattgemüse jetzt öfters auf den Teller, wobei viele Menschen gar keinen Spinat mögen. Doch was ist eigentlich dran an dem Hype? Kann Spinat wirklich die Leistung steigern?

Dass Spinat eine leistungssteigernde Wirkung zugesprochen wird, liegt nicht an dem Blattgemüse selbst, sondern an dem im Spinat enthaltenen Wirkstoff Ecdysteron. Ecdysteron ist ein sogenanntes Phytosteroid, das in dem Blattgemüse in Spuren enthalten ist und deshalb aus Spinat-Extrakt gewonnen wird. Da der Anteil an Ecdysteron sehr niedrig ist, müsstest du vermutlich täglich eine riesige Menge Spinat essen, um den vermeintlich positiven Effekt auf die Muskelzellen spüren zu können.

Das in dem Spinat enthaltene Ecdysteron kommt auch in anderen Pflanzen, beispielsweise in

  • weißen Champignons,
  • Quinoa,
  • Yamswurzeln und
  • Spargel,

vor. Diese Pflanzenstoffe – sogenannte Sterole – dienen Kleinstlebewesen und Insekten als Nahrung, um das eigene Wachstum unterstützen zu können.

Ob diese anregende Wirkung auch auf den Menschen, insbesondere auf Sportler, übertragbar ist, sollte eine Studie der Freien Universität Berlin klären, die mit Unterstützung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) durchgeführt wurde. In dieser Studie wollten die Wissenschaftler klären, inwiefern der in Spinat enthaltene Wirkstoff Ecdysteron sich positiv auf die Leistung auswirken und ob er zu einem besseren Muskelaufbau beitragen kann.

Kann Spinat-Extrakt die Leistung steigern?

Mit Unterstützung der Welt-Anti-Doping-Agentur wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes unter Beteiligung der Freien Universität Berlin eine internationale Studie durchgeführt, inwiefern der in Spinat-Extrakt enthaltene Wirkstoff Ecdysteron das Krafttraining positiv unterstützen könnte.1 Das enthaltene Phytosteroid soll sich – laut Einschätzung der Wissenschaftler – auf die Muskelzellen positiv auswirken können.

Ecdysteron wurde schon in den Achtzigerjahren verdächtigt, für erstaunliche Spitzenleistungen russischer Athleten, die damals an den Olympischen Spielen teilgenommen hatten, verantwortlich zu sein. Damals war vom sogenannten „russischen Geheimnis“ die Rede, als man Ecdysteron zur Leistungssteigerung im Sport einsetzte.

Um zu überprüfen, ob dem in Spinat-Extrakt enthaltenen Wirkstoff Ecdysteron eine leistungssteigernde Wirkung zugesprochen werden kann, wollten die Forscher in einer Doppelblind-Studie überprüfen. Über zehn Wochen lang erhielten 46 Probanden, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden, entweder den Wirkstoff Ecdysteron oder ein Placebo. Keiner der Teilnehmer wusste, ob er ein Placebo oder den Spinat-Extrakt verabreicht bekam.

Sowohl zu Beginn als auch am Ende des zehn Wochen langen Tests wurden die Kraft und die Muskelmasse der teilnehmenden Probanden gemessen. Das Ergebnis war eindeutig: Die Gruppe, die zehn Wochen lang den im Spinat enthaltenen Wirkstoff Ecdysteron erhalten hatten, konnten nicht nur ihre Maximalkraft, sondern auch den Muskelaufbau verbessern. Nebenwirkungen sollen während der Studie nicht aufgetreten sein.

Somit konnten die Probanden der Ecdysteron-Gruppe wesentlich mehr Gewicht im Bankdrücken stemmen als die Gruppe, die zehn Wochen lang ein Placebo erhielten. Auch schnitten die Teilnehmer der Ecdysteron-Gruppe beim Kniebeugen etwas besser ab als ihre Kontrahenten.

Maria Parr, Professorin für Pharmazeutische Chemie mit Schwerpunkt Analytik, hatte zwar einen leistungssteigernden Effekt des Wirkstoffes Ecdysteron erwartet, jedoch war sie über das Ergebnis der Doppelblind-Studie überrascht. Laut den Erkenntnissen der Forscher soll die Wirkungsweise von Ecdysteron über den Estrogen-Rezeptor beta vonstattengehen.

Heute gibt es bereits zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, welche diesen Inhaltsstoff enthalten. Sowohl in Tierversuchen als auch in vitro soll der Wirkstoff eine stärkere Wirkung auf die Muskelzellen haben können als anabol androgene Steroide, wie zum Beispiel die Substanz Metandienon, die im Sport allerdings verboten ist. Auch soll sich der Wirkstoff Ecdysteron auf die Regeneration positiv auswirken und wacher machen können.

Wie viel Ecdysteron hatten die Probanden der Studie erhalten?

In der Doppelblind-Studie der Freien Universität Berlin wurden den Probanden jeden Tag bis zu 800 Milligramm Ecdysteron verabreicht. Die Gruppe mit der geringeren Dosis erhielt täglich zwei Kapseln Ecdysteron, was 200mg dex Extraktes entspricht. Diese Menge würde, laut der Aussagen der Wissenschaftlerin Maria Parr, zwischen 250 bis vier Kilogramm Spinat entsprechen. Wie viel Ecdysteron im Spinat tatsächlich enthalten ist, ist nämlich abhängig von der jeweiligen Spinatsorte.

Man müsste also jeden Tag riesige Mengen an Spinat essen, um genauso viel Ecdysteron aufzunehmen wie die Probanden in der Doppelblind-Studie. Verglichen mit der Gruppe, die den Wirkstoff Ecdysteron höher dosiert verabreicht bekam, wären es sogar bis zu 16 Kilogramm Spinat, die täglich verzehrt werden müssten.

Dass Ecdysteron laut der Doppelblind-Studie der Freien Universität Berlin zu einer besseren Leistungsfähigkeit und einem besseren Muskelaufbau beitragen kann, ist sicherlich ein für Sportler interessantes Ergebnis. Zumal der pflanzliche Wirkstoff eine mit Anabolika vergleichbare Wirkung haben und dabei ohne Nebenwirkungen auskommen soll. Dennoch bedarf es weiterer Studien, um die Wirksamkeit von Spinat-Extrakt hinreichend belegen zu können.

Spinat-Liebhaber müssen aufgrund der geringen Menge an Ecdysteron jedenfalls keine Dopingkontrolle befürchten. Selbst wenn sie große Mengen an Spinat konsumieren, ist der in Spinat enthaltene Anteil an Ecdysteron zu gering, um eine leistungssteigernde Wirkung erzielen zu können.

Ob der Verzehr von großen Mengen Spinat allerdings gesund ist, sei zu bezweifeln. Denn: Ein Kilogramm Spinat kann auch gleichzeitig bis zu 3.500 Milligramm Nitrat enthalten. Hierbei handelt es sich um eine Stickstoffverbindung, die zu Nitrosaminen umgewandelt wird und Krebs begünstigen kann.

Bislang stehen weder Spinat noch der Wirkstoff Ecdysteron auf der Liste der verbotenen Substanzen. Immerhin handelt es sich bei Ecdysteron um eine hormonähnliche Substanz, die sowohl in Pflanzen als auch in Krebstieren vorkommt.

Es gibt mittlerweile viele pflanzliche Substanzen, denen eine leistungssteigernde Wirkung nachgesagt wird. Hierzu zählt nicht nur Ecdysteron aus Spinat – auch können sich

  • Maca,
  • Tribulus terrestris,
  • Guarana und
  • Rosenwurz

auf die körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit positiv auswirken.

Muss Ecdysteron auf die Dopingliste?

Verständlicherweise zeigten sich die Wissenschaftler der Studie überrascht von dem Ergebnis, weshalb sie in Deutschland eine Diskussion entfachten, ob Ecdysteron nun auf die Liste der verbotenen Substanzen gehört oder nicht.

Ob der Wirkstoff Ecdysteron tatsächlich auf der Doping-Liste stehen sollte, bleibt jedoch abzuwarten. Immerhin handelt es sich um eine Substanz, die, ähnlich wie Maca, Guarana und Rosenwurz, rein pflanzlich ist und nicht chemisch hergestellt wird.

Außerdem ist Ecdysteron bereits in vielen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten. Laut den Aussagen der Studie soll Ecdysteron auch ohne Nebenwirkungen auskommen.

Um die leistungssteigernde und anabole Wirkung von Ecdysteron hinreichend belegen zu können, bedarf es sicherlich noch weiterer Studien. Vermutlich müsste man dann nicht nur Ecdysteron, sondern auch Spinat auf die Dopingliste setzen.

Fazit

Dass Spinat-Extrakt ähnlich wie Anabolika wirken soll, ist tatsächlich eine große Überraschung. Insbesondere Leistungssportler wird es sicherlich freuen, eine pflanzliche, natürliche Substanz einsetzen zu können, die zur Verbesserung der Leistung und zum Muskelaufbau beitragen kann und frei von Nebenwirkungen sein soll.

Quellen:

https://www.researchgate.net/publication/333322619_Ecdysteroids_as_non-conventional_anabolic_agent_performance_enhancement_by_ecdysterone_supplementation_in_humans