Dustin Port - Mein Weg zur GNBF DM 2013

Dustin Port - Mein Weg zur GNBF DM 2013

Ein informativer Bericht des GNBF-Bodybuilders Dustin Port zur Vorbereitung, Off-Season und Wettkampfdiät.

Dustin Port

  • 1. Platz NABBA Westdeutsche Meisterschaft 2009 (Body Fitness)
  • 2. Platz NABBA Westdeutsche Meisterschaft Männer Fitnessklasse, 1 Platz Newcommerwertung 2008
  • 3. Platz NABBA Deutsche Meisterschaft Männer Fitnessklasse 2008
  • 1. Platz NABBA Westdeutsche Meisterschaft 2009
  • 1. Platz + Gesamtsieger NABBA Deutsche Meisterschaft
  • Teilnahme WWF Universe
  • 2. Platz NABBA Deutsche Meisterschaft 2011
  • Teilnahme WWF Universe
  • 6. Platz GNBF Deutsche Meisterschaft 2013 Leicht-Schwergewicht
  • 2. Platz GNBF Deutsche Meisterschaft 2014

Kurz zu meiner Person: Mein Name ist Dustin Port, Jahrgang 1986. Nach meinem Realschulabschluss begann ich eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann in einem Reha-Center, indem ich einige Monate zuvor auch meine erste richtige Trainingseinheit an Geräten absolvierte. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Ausbildung jobbte ich in verschiedenen Studios und machte bei der BSA Akademie in Saarbrücken meine Fitnesstrainer A-Lizens (Lehrer für Fitness). Nach dieser Ausbildung war in zwei Studios fest angestellt, bevor ich mich als Trainer selbstständig machte. Durch Zufall bekam ich 2010 die Stelle beim Zoll angeboten, wo ich seit 2011 arbeite.

Bodybuilding beginnt im Kopf

Der endgültige Entschluss, an einem Bodybuilding-Wettkampf teilzunehmen ist ein entscheidender Augenblick. Von diesem Zeitpunkt an muss man ganz fokussiert auf ein bestimmtes Ziel hin arbeiten, den Tag der Meisterschaft. Es gilt, konsequent seinen Plan, sei es Trainings,- Ernährungs-,sowie auch den Alltags bzw. Arbeitsplan zu absolvieren und sich durch nichts aus der Bahn werfen lassen, keine Ausrede zählt.

Prinzipiell spielte ich bereits seit längerem mit dem Gedanken, mal bei der GNBF (Verband für Natural Bodybuilding) an den Start zu gehen. Meinen letzten Wettkampf absolvierte ich 2011 bei der NABBA/WFF. Aber wohl eher etwas spontan und mit einer „Crash-Diät“. Am Ende wurde es immerhin noch der der zweite Platz und somit der Vize Deutsche Meister in Männer Fitness Klasse, womit ich sehr zufrieden war, da der Sieger seine Hausaufgaben echt gut machte und verdient gewann. Bei der anschließenden Universe der WFF sprang leider keine gute Platzierung raus und ich erreichte in einem elf Mann starken Feld nicht die Top 6.

Also, weiter trainieren, Schwachstellen verbessern, sauber essen...

... ein wenig Spaß nicht vergessen und dann erneut starten. Allerdings begann ich im August 2011 eine Ausbildung beim Zoll in Karlsruhe. Dadurch musste ich ein Jahr durch Süddeutschland reisen und war, mit Ausnahme von 5 Monaten am Bodensee, andauernd wo anders eingesetzt. Somit kam eine gezielte Wettkampfvorbereitung 2012 nicht in Frage. Was vielleicht rückblickend nicht verkehrt war, denn ich konnte mich wirklich verbessern. Auch sehr interessant war, dass ich durch den mehrmaligen Städtewechsel auch in Kontakt mit vielen verschiedenen Studios und auch Athleten kam. Insgesamt habe ich, mit meinem Stamm-Studio in Niederlosheim, wo ich am Wochenende immer gerne trainieren ging, in 13 verschiedenen Studios trainiert, von Discounter über Privatstudios bis hin zum gehobenen Fitnesstempel. Das hat, wie alles, seine Vor- und Nachteile. Aber die vielen unterschiedlichen Geräte machten das Training auch sehr abwechslungsreich. Allerdings bestand das Training immer aus mindestens 1-2 Grundübungen. Diese wurden dann mit den entsprechenden Maschinen und Geräten ergänzt.

Ab Februar 2013 war ich beruflich erneut in Sigmaringen, Baden-Württemberg. Dieser letzte Lehrgang (auch Abschlusslehrgang genannt) dauerte bis Anfang Juli und beinhaltete auch einige schriftliche Prüfungen, welche nicht ohne waren! Eigentlich sind die Rahmenbedingungen dort relativ gut, da man unentgeltlich und ganz in der Nähe des Einsatzortes untergebracht war, mit eingerichteter Küche, Kühlschrank usw. Auch gibt es auf dem Gelände neben einem eigenem Hallenbad, Kletterhalle, Sporthalle und einer Kampfsporthalle auch einen eigenen Kraftraum, den man fast jederzeit nutzen konnte. Die Ausstattung war ganz in Ordnung, aber für ein ernsthaftes, schweres Training fehlte einiges. Zum Beispiel waren die schwersten Kurzhanteln gerade mal 30kg schwer und einen Kniebeugenständer habe ich auch vermisst. Das geht ja leider gar nicht. Also musste ich mir für diese Zeit ein ordentliches Studio in der Nähe suchen. Dort zahlte ich dann 300,- € für den gesamten Zeitraum. Das Equipment war ordentlich, Kurzhanteln bis 50kg, Seilzüge, sehr guter Klimmzug und Dipturm, drei verschiedene Beinpressen und natürlich einen Powerrack für die schönen Sachen! Nach kurzer Eingewöhnungszeit und der Abstimmung des Ernährungsplans mit den Arbeits- und Trainingszeiten lief alles auch recht gut. Ich führe fast das ganze Jahr über ein Trainingstagebuch und notiere mein Körpergewicht. Anfang April wog ich 94,3kg. Bereits da begann ich mit Cardiotraining, zwei bis dreimal die Woche, 20-35min. Entweder auf dem Crosstrainer oder der Fahrrad. Pro Woche absolvierte ich 4-5 Trainingseinheiten, wechselnd mit einem 3er, 4er oder 5er Split, wobei die Beine meistens immer einen eigenen Tag bekamen. Mitte Mai betrug mein Gewicht 92,5kg, wobei die Kraft weiter nach oben ging.

Je näher der Sommer kam, umso besser wurde die Form, da auch das Cardio langsam erhöht wurde. Der Gedanke, es könnte dieses Jahr einen Start bei der GNBF geben, wurde immer konkreter. Allerdings standen Ende Juni auch verschiedene schriftliche Prüfungen an, die unbedingt zu bestehen galten. Es viel mir schwer, das Fitness Studio gegen den Schreibtisch einzutauschen und das Training auf ein Minimum zu reduzieren, aber was muss das muss, und so waren im Juni maximal drei kurze Trainingseinheiten pro Woche drin. Die Ernährung wurde aber stets sauber gehalten, und dem verminderten Kalorienverbrauch angepasst. Jegliche Süßigkeiten während des Lernens waren absolut tabu!

Doch dann kam ein kurzer, aber sehr heftiger Gewichtsabsturz

Alles begann ganz harmlos nach dem Aufstehen mit Appetitlosigkeit und kalten Händen. Ich fühlte mich einfach etwas müde und die Muskeln und Gelenke schmerzten. Und wundersamerweise hatte ich keinen Hunger. Bis zum Mittag ging es dann stark bergab, ich bekam Schüttelfrost und war schweißgebadet. Und mir war schlecht, verdammt schlecht!!! Nach einem Tag und zwei Nächten abwechselnd vor und auf der Toilette, im Bett und gefühlten 20 Liter Schweißverlust (ich wurde nachts wach und war von Kopf bis Fuß durchnässt!!! Unbeschreiblich!!!) konnte ich endlich feste Nahrung und einen Tee zu mir nehmen und schleppte unter ständigen Magenkrämpfen zum Arzt. Der Wettkampf war zu diesem Zeitpunkt abgeschrieben! Der Arzt diagnostizierte mir den NORO-Virus, gab mir eine Infusion und verschiedene Medikamente. Langsam konnte ich meinen Zwieback und Tee Konsum steigern bis ich dann am 5. Tag erstmal wieder einen Teller Nudeln mit Hähnchenbrust in mir behalten konnte. An Training war noch nicht zu denken und ich war froh, wieder normal essen zu können. Vielleicht klappt es doch noch mit der Deutschen Meisterschaft der GNBF.

Nachdem alles auskuriert war und sämtliche Prüfungen bestanden waren, trainierte ich weiter fleißig bei mir im Studio in Niederlosheim. Die Teilnahme an der Meisterschaft wollte ich von meiner Form anhängig machen Mitte August. Ich kontaktierte meinen Freund Harald und vereinbarte einen Termin bei Sportnahrung Engel zur Fettmessung. Mein Körperfettanteil lag Ende August bei ca. 10%. Okay, dachte ich mir, es sind noch gut acht Wochen, das packe ich!

Ab diesem Zeitpunkt wurde alles 200%ig gemacht. Als Kohlenhydratquellen wurde ausschließlich Reis und Dinkelflocken gewählt, Milchprodukte minimiert und Cardio fast täglich absolviert. Hinzu kam noch ein Fettburner (Fenidrol von All Stars, kann ich nur wärmstens empfehlen!) und L-Carnitin.

Die ersten beiden Wochen passierte noch relativ viel und ich konnte die Fortschritte optisch verfolgen. Doch je näher der Wettkampf rückte, umso härter wurde es. Auch wird es meiner Meinung nach immer schwieriger weiter Körperfett abzubauen, je niedriger er Körperfettanteil bereits ist. Da gilt es dann absolute Ruhe zu bewahren, weiter zu machen und abzuwarten. 36 Stunden später kann ein Blick in den Spiegel bereits viel zufriedenstellender sein, als noch am Vortag. Ich denke, viele von euch kennen dieses Gefühl, wie schnell die Selbstwahrnehmung sich ändern kann.

Am 21. September betrug mein KFA noch knapp 8%, 7,8% um genau zu sein (gemessen mit dem Fat-Caliper). Das fand ich eigentlich ganz gut und es sah schon passabel aus, doch waren es immerhin noch vier Wochen, da müsste doch noch was zu machen sein. Mein Körpergewicht lag zu diesem Zeitpunkt bei 85,5kg.

Beinpose von Dustin

Angemeldet war ich bereits und habe auch meinen Test-Termin erhalten, Mittwoch 16.09.13. Also musste fast eine ganze Woche Urlaub genommen werden und ein entsprechendes Zimmer reserviert werden. Ich hatte das Glück, ein Hotel mit Apartment zu bekommen. So hatten wir eine eigene Küche mit Kühlschrank im Zimmer, was natürlich super war, da wir alles vor Ort zubereiten konnten.

Die letzten Wochen vor dem Wettkampf

Die letzten beiden Wochen waren echt hart, ich trainierte sechs mal die Woche weiter schwer jeweils für 90min mit Gewichten und anschließend 40-60min auf dem Fahrrad. Dazu noch fast tägliches üben der Posen und noch im 3-Schicht System arbeiten gehen mit Nacht- und Wochenenddiensten. Die Kohlenhydrate bestanden nur noch aus Vollkornreis, dazu Gemüse und Hähnchenbrust, jeden Tag, von morgens bis abends. Und die Form wurde immer besser. Eine Woche vor dem Wettkampf lag das Gewicht bei 83,6kg.

Dann begann das Entladen und das Wasser trinken! Die Kohlenhydrate lagen Sonntags und Montags bei 70g, Dienstags bei 35g, mittwochs 0. Dazu trank ich, was nur rein ging! Da ich keinen Nerv dazu hatte, meine ganze Wassermenge noch genau zu zählen, traf ich mit Harald eine Abmachung: Immer, wenn ich meine 0,5l Trinkflasche leer habe oder eine 0,3l Tasse Kaffee trank, schrieb ich ihm eine SMS mit 5 oder 3 und er notierte alles, addierte es und sagt gut oder gegebenenfalls mehr trinken. Das Spiel ging dann bis einschließlich Donnerstag und er musste mir versprechen, mir nicht die genau Zahlen zu nennen. Nur halt ob ich genug oder zu wenig trinke. Zahlen verwirren und verunsichern nur. Lustig an der Sache war, dass ich ja Montag und Dienstag noch arbeiten musste. Also trank ich, schrieb unzählige SMS, ging noch öfter auf die Toilette und wurden von meinen Kollegen für bescheuert erklärt!

Abfahrt war Mittwoch morgen 16.10. um 9.00Uhr. Ich fuhr mit meinem ziemlich voll bepackten Wagen zu meinem Freund Harry, er lud sein Gepäck ein, übernahm das Steuer und los gings. Mit an Bord waren 10 Flaschen Brennnesseltee. Ich habe mir den Ekel daran gesoffen! Die Fahrt hätte nur halb so lange gedauert, wenn ich nicht so oft auf die Toilette gemusst hätte. Am Hotel angekommen wurde das Zimmer inspiziert, für sehr gut empfunden und die Taschen ausgepackt. Ebenfalls sehr praktisch war, dass in unmittelbarer Umgebung des Hotels alle Einkaufmöglichkeiten waren, die man brauchte.

Später ging es dann zum Wiegen und Lügendetektortest. Mittwoch Abend standen 81,8kg auf der Waage. Das kam mir zwar schon fast zu wenig vor, aber alles war gut, die Form war sehr schön, nur etwas flach aber würde sich ja schnell ändern, sobald die ersten Kohlenhydrate drin sind.

Zurück im Hotel richteten wir es uns ein, kochten die ersten Hühnerbrüste und ließen den ersten Tag revue passieren.

Donnerstags gabs dann keine Kohlenhydrate, vorerst keine. Denn Mittags absolvierte ich im örtlichen Fitness Studio meine letzte Trainingseinheit, ein klassisches Ganzkörper-Zirkeltraining. Ohne Pause von Übung zu Übung und das solange, bis fast nichts mehr ging. Und dann gabs endlich eine Banane. Man kann sich vorstellen, wie gut die geschmeckt hat! Ich gab wirklich alles im Training, der Gedanke an das darauf folgende Essen motivierte mich sehr. Im Hotel angekommen, legte ich mich ins Bett, ließ mich von Fernseh und Laptop unterhalten während mein Freund Harry die vorbereiteten Mahlzeiten servierte. Es gab ausschließlich unterschiedliche Sorten Reis, Rosinen, Ananas und etwas Hähnchenfleisch, zwischendurch immer mal wieder paar Reis- bzw. Maiswaffeln. Alles genau portioniert und zeitlich abgestimmt natürlich. Zwischendurch wurde immer mal wieder ein kleiner Formcheck gemacht. Ich war zufrieden.

Der Freitag sah dann ähnlich aus. Hinzu kamen noch zwei Termine für das Tanning, welches auch in der Veranstaltungshalle in Werdau stattfand. Also auch eine gute Möglichkeit, sich den Veranstaltungsort und die Räumlichkeiten näher anzuschauen und eventuell einen guten Platz aussuchen. Dort angekommen machte ich Bekanntschaft mit einigen anderen Athleten. Ein gewisses optisches Scannen der Konkurrenz lässt sich nicht ganz vermeiden, egal wie sehr man sich vornimmt, es nicht zu tun. Doch alles war gut, spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem ich von anderen Athleten auf meine Definition angesprochen wurde.

Die Spannung steigt - der Wettkampftag

Samstag war ich sehr früh wach. Ich wollte einfach nicht mehr warten. Wir packten alles zusammen und fuhren sehr früh zur Halle, lange bevor die offizielle Begrüßung bzw. das Athletenmeeting begann. Das sollte sich definitiv als Vorteil herausstellen. Denn als ich die vorgesehenen Bereiche für die Athleten sah, fragte ich mich, wie das gut gehen soll. War nicht die Rede von 150- 160 Teilnehmern? Und wir befanden uns in einer Turnhalle, in der die 2 Umkleidekabinen für eine Fußballmannschaft oder eine Schulklasse vorgesehen ist. Auch Toiletten waren zu wenige vor Ort, sodass ich mehr als einmal mit starkem Harndrang vor verschlossener Tür auf und ab ging und wartete, dass endlich was frei wird.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung war dann platz technisch das absolute Limit erreicht. In jeder freien Ecken lagen Athleten, überall wollte noch jemand dazwischen, man rückte noch dichter zusammen, dass jeder Platz fand und teilweise wurde kurzerhand der hintere Zuschauerbereich auch mit genutzt. Anders wäre es an diesem Tag nicht gegangen und die Situation war absolut nicht gut! Da besteht Verbesserungsbedarf und jeder, der an diesem Tag vor Ort war, kann das bestätigen. Für eine Veranstaltung dieser Größenordnung, bei der im Vorfeld bekannt ist, wie viele Wettkämpfer starten und wieviel Zuschauer ungefähr erwartet werden (Dank Kartenvorverkauf) ist eine solche Halle eigentlich ungeeignet. Logistisches Handeln im Vorfeld seitens des Organisationsteams (von dem noch jemand besonders geehrt wurde, für diese „gute Organisation“!!) wäre wünschenswert gewesen. Zum Glück waren wir früh genug da, und hatten einen ziemlich guten Platz.

Zurück zum eigentlichen Thema, meinem Wettkampf. Ich startete im Leicht-Schwergewicht, der vorletzten Klasse. Bevor es auf die Bühne ging, wurde noch die letzte Schicht Farbe aufgetragen. Im Aufwärmbereich schnappte ich mir ein paar Hanteln und machte mich warm. Der Anblick meiner Gegner jagte mir ein Schrecken ein. Mein Gott, sahen die massiv aus! Allen voran Daniel Gildner, aber auch der spätere Sieger Patrick Teutsch sahen in meinen Augen wesentlich schwerer und massiver aus als 85kg. Aber auch die anderen wirkten auf mich nicht minder stark. Also galt es wieder Ruhe zu bewahren und sich ausschließlich auf sich selbst zu besinnen. Alles andere hat diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr und bringt, wenn überhaupt, nur Nachteile.

Es dauerte noch eine Weile, bis wir endlich raus durften, denn das Mittelgewicht war dermaßen gut besetzt, qualitativ wie quantitativ, sodass die Jury immer wieder zu neuen Vergleichen aufrief und sich unsere Wartezeit hinter Bühne zog, wie Kaugummi.....

Doch dann ging es endlich los, Männer Leicht-Schwergewicht bis 85kg auf die Bühne!!

Endlich, da war der Moment, woraufhin ich solange hin gearbeitet habe. Jetzt zählt es, es muss ich alles geben, mein Allerbestes!!!

Ich stand leider ganz außen auf der Bühne, was kein besonders guter Platz war. Doch da mit Jeff Sibagatov ein Aspirant auf den Titel in dieser Klasse neben mir stand, ließ man diesen Teil der Bühne nicht unbeachtet.

Dustin beim Bodybuilding-Wettkampf auf der Bühne

Nach der Symetrierunde und den ersten Vergleichsposen traten alle einen Schritt zurück und es wurde der erste Vergleich ausgerufen. Sechs Startnummern, und die Siebzehn, meine Nummer war dabei. Jawoll, dachte ich mir, direkt mit den schweren Jungs in den ersten Vergleich. Ich wollte die Chance nutzen und gab mein Bestes, in jeder Pose und versuchte dabei so gut es ging zu lächeln. Von Pose zu Pose wurde es anstrengender, die Muskeln begann zu zucken und zu zittern, die ersten Krämpfe im Lat und in den Beinen machten sich bemerkbar, die Luft wurde knapper, der Puls ging kontinuierlich hoch. Und langsam begann ich zu schwitzen. Das ist natürlich schlecht, besonders, wenn man eine auf Wasser basierende Posingfarbe benutzt, denn der Schweiß verwäscht die Farbe regelrecht und auch jeder, der diese Wettkampfbräune mal im Auge hatte, weiß wie sehr das Zeug brennen kann. Doch egal, weiter machen. Nach der ersten Vergleichsrunde traten alle wieder zurück, der nächste Vergleich lautete: „Startnummer 117 und Startnummer 17, bitte vortreten!“ Wie bitte? Ich darf schon wieder? Ich war noch immer außer Atem und richtig schön am schwitzen. Ich merkte, dass die Farbe meine Achseln und im Gesicht runter lief. Und auch der Oberkörper sah alles andere als gleichmäßig gebräunt aus. Nach ein oder zwei Posen unterbrach die Jury diesen Vergleich und schickte mich hinter Bühne, um meine stark verlaufende Farbe zu korrigieren. Zum Glück bekam das mein Freund Harry mit und eilte mit Handtuch hinter die Bühne, um mich notdürftig abzutupfen. Bei der Gelegenheit konnte ich einen kurzen Augenblick durch atmen und auch einen Schluck trinken. Ich wusste, da draußen ging es um den letzten Finalplatz. Einer von uns beiden sollten am Abend im Finale stehen. Ich ging wieder raus und machte dort weiter, wo ich aufgehört hatte.

Nach diesem Vergleich wurden die restlichen vier aus dem ersten Vergleich aufgerufen. Diese vier sollten den Sieg unter sich ausmachen. Der Vergleich dauerte noch eine Weile, es wurden immer wieder Plätze getauscht usw. Dann war die Vorwahl vorbei und es hieß erneut warten.....

Ich war erleichtert und rief zuerst meine Freundin an, um zu berichten. Entweder wird es der 5. oder der 6. Platz, sagte ich. Die Zeit bis zum Finale kam mir vor, wie eine Ewigkeit und als das Finale endlich losging, war mir noch nicht bewusst, wieviel Zeit vergehen sollte, bis unsere Klasse an der Reihe war. In der Zwischenzeit ging man mehrmals durch die Halle. So traf ich dann auch meinen Konkurrenten Andrej Benner und wir unterhielten uns. Es war uns beiden klar, dass nur einer von uns den Finalplatz hat und der andere die Bühne gleich wieder verlassen kann, aber trotzdem empfand ich das Gespräch als äußerst nett und höflich, keine Spur von Anfeindungen oder ähnlichem. Man verhielt sich sehr sportlich, so, wie es sein sollte.

Als es endlich soweit war, betrat ich relativ entspannt und gelassen die Bühne. Ich wusste, die Würfel waren gefallen und ich konnte maximal den fünften Platz erreichen, da der Vorsprung der anderen doch deutlich war.

Ich war nicht im Finale. Für alle nicht Finalteilnehmer gab es dann auch eine Minute Posedown und dann hieß es vielen Dank und Feierabend. Glücklich aber doch mit leichter Enttäuschung verließ ich die Bühne und sah mir das Finale aus der Zuschauerperspektive an. Irgendwie hätte ich gerne das Final erreicht und auch meine Kür gezeigt, doch es hat leider nicht gereicht. Es fehlt einfach noch Masse am Oberkörper, um bei meiner Größe konkurrenzfähig zu sein. Aber somit sind die Ziele für nächstes Jahr fest anvisiert! Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf!

PS: Nach dem Wettkampf sagte mein Freund Harald, er hätte noch etwas vorbereitet. Er würde es mir zeigen, wenn wir wieder im Hotel sind. Dort angekommen, setzte ich mich aufs Bett, während er in der Küche irgendetwas hervor kramte. Dann kam er mit riesigen Wasserkanistern und Eimern zurück und sagte: „Dustin, ich konnte es kaum glauben! Ich dachte teilweise schon, du verarscht mich. Vor dir steht die Menge an Flüssigkeit, die du von Montag bis Donnerstag Nachmittag getrunken hast, alles zusammen gerechnet.“

Ich staunte nicht schlecht. Er hat sich wirklich die Mühe gemacht, mir 61,5 Liter vor die Füße zu stellen. Aber er gestand mir, dass er vergaß, Montags den Kaffee mit zu zählen....

Zum Trainingsplan von Dustin hier klicken