Dustin Port - Wettkampfreport 2014

Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf….

Hallo liebe Bodybuilding und Fitnessfreunde,

hier bin ich wieder, ein Jahr nachdem ich über die 10. Deutsche Meisterschaft des GNBF und meine gesammelten Erfahrungen und Eindrücke dieser Veranstaltung und meiner Vorbereitungen darauf berichten durfte.

Auch dieses Jahr nahm ich wieder an der Deutschen Meisterschaft des GNBF teil, mit dem festen Ziel, den verpassten Finaleinzug aus dem letzten Jahr wieder wett zu machen, meine persönliche Bestform zu überbieten und mich um (mindestens) einen Platz zu verbessern.

Naja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, aber dazu später mehr. Fangen wir vorne an…

Dustin Port GNBF Athlet bei der deutschen Bodybuilding Meisterschaft 2014

Über meine persönlichen Eindrücke der letzten Meisterschaft habe ich ja bereits ausführlich berichtet. Wer diesen Bericht noch nicht gelesen hat kann das hier nachholen. Dort findet ihr auch noch weitere Infos zu meiner Wenigkeit.

Der Wettkampf 2013 in Werdau zog noch einiges an Berichterstattung nach sich und es wurde viel über die GNBF und dessen Anti-Doping Politik sowie über den ein oder anderen Teilnehmer geschrieben und geredet. Ich denke die meisten werden wissen, worum es geht, nämlich um zwei angeblich positiv ausgefallene Dopingkontrollen zweier Athleten. An dieser Stelle spare ich mir jeglichen Kommentar über dieses Thema. Denn wie das Ganze überhaupt abgelaufen ist, wissen nur die Beteiligten. Es haben sich bereits etliche Personen ihre Meinung darüber gebildet und auch verschiedene Urteile gefällt, allerdings ohne bzw. mit mangelndem Fach- und Hintergrundwissen.

Von mir nur soviel: Ich finde es schade und traurig, wie das ganze abgelaufen ist. Man hätte die ganze Geschichte eleganter, professioneller und auch durchschaubarer lösen können. So litten und leiden beide Parteien darunter, sowohl der Verband als auch die Athleten und ihr Ruf wurde dadurch nicht verbessert. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich.

Bereits nach der Meisterschaft fasste ich den Entschluss, 2014 erneut beim GNBF zu starten. Vorher absolvierte ich aber noch einen weiteren Wettkampf, die Süddeutsche Meisterschaft des NAC. Dies nahm ich zum Anlass, mit meiner Ent- und Aufladestrategie etwas zu experimentieren. Oft machen Athleten die Erfahrung, dass sie einige Tage nach einem Wettkampf besser aussehen, also praller und/oder definierter oder mit deutlicherer Venenzeichnung als am Wettkampftag selbst. Mir ging es ähnlich. Zwei Tage, einen Schokoladenkuchen und ein großes Rinderfilet mit Bratkartoffeln später (nach der Meisterschaft des GNBF) fühlten sich meine Muskeln so prall und voll an wie nie zuvor! Also dachte ich, ich muss vor dem nächsten Wettkampf mal etwas mehr laden. Aus dem „etwas mehr“ wurde dann ein regelrechter Cheat-Day, bei dem so einiges an Lebkuchen und Weihnachtsgebäck verdrückt wurden. Am Abend vor der Meisterschaft war mein Bauch so voll und meine Bauchschmerzen signalisierten mir mehr als deutlich, dass ich es übertrieben hatte. Dementsprechend war auch meine Form am Tag des Wettkampfes, wässrig und glatt. Mit der Form der vorangegangen Meisterschaft war das nicht zu vergleichen. Trotzdem hatte ich meinen Spaß auf der Bühne und wenn es auch diesmal nicht für einen Finalplatz gereicht hat, so konnte ich diesmal wenigstens meine Kür präsentieren, was beim GNBF nur den Finalisten vorbehalten ist. Beim NAC durfte bzw. musste (zu diesem Zeitpunkt) jeder Athlet eine ein minütige Posingkür präsentieren. Damit ging ein zwar wenig erfolgreicher aber dafür schöner und interessanter Tag zu Ende und ich konnte die Wettkampfsaison 2013 beenden und mich auf die bevorstehende Offseason konzentrieren.

Manchmal ist weniger mehr - eine weise Erkenntnis für einen Bodybuilder

Meine Schwachstellen waren mir bekannt, also wusste ich, was zu tun war und arbeitete mir die passenden Trainings- und Ernährungspläne aus.

Die wichtigsten Schwerpunkte, sowohl im Training als auch beim Essen notierte ich mir auf ein Blatt Papier und immer, wenn ich merkte, ich weiche zu stark von meinem Weg ab, nahm ich mir dieses Schriftstück zu Hand und besinnte mich wieder auf meine Prinzipien.

Als oberster Punkt auf meiner Liste stand der Hinweis „Manchmal ist weniger mehr“. Damit meinte ich die Quantität des Trainings, die Trainingshäufigkeit, die Anzahl der Übungen für einen Muskel, die Anzahl der Sätze einer Übung, die Häufigkeit und Dauer der Cardioeinheiten sowie allgemein die Zeit, die man im Studio verbringt. Viele von euch erwischen sich bestimmt auch dabei zu denken, „viel hilft viel“. Ich habe das Talent, mich da hinein zu steigern und viel zu kritisch mit mir selbst zu sein. Da wird gerne noch ein weiterer Satz der Übung dran gehangen; um den Muskel noch intensiver zu spüren wird daraus dann ein Reduktionssatz gemacht; da man ja vielleicht einige Fasern eines Muskels noch nicht intensiv genug gereizt hat, wird kurzerhand eine weitere Übung gemacht usw. und ohne dass man merkt, wie die Zeit vergeht, ist man zweieinhalb Stunden damit beschäftigt, (nur) seine Schultern mit 8 verschieden Übungen aus allen winkeln zu trainieren. Das mag vielleicht Spaß machen, aber wirklich produktiv und sinnvoll für den Muskelaufbau ist das nicht. Besser man konzentriert sich immer auf Grundübungen, führt diese möglichst schwer mit sauberer Technik aus und ergänzt das Ganze dann durch zwei bis drei weitere Übungen.

In Sachen Ernährung lies ich größtenteils alles beim Alten, mindestens zwei Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, eine moderate Zufuhr von Fett und die Kohlenhydrate wurden auf den Trainingsplan abgestimmt, an schweren Tagen, wie z.B. Beintraining und Cardio gab es etwas mehr und an trainingsfreien Tagen dementsprechend weniger. Bei den Kohlenhydraten achte ich stets auf dir Qualität. Zu Beginn der Diät gab es noch hin und wieder eine Süßkartoffel oder eine Banane, zum Ende hin bezog ich meine Kohlenhydrate fast ausschließlich aus Naturreis. Nach dem Training gab es noch maximal 20 Gramm Peak Glucofast im Post-Workout-Shake zusammen mit einem reinen Whey-Isolat, Glutamin und BCAA. Das Whey-Isolat ersetzte ich die letzten drei Wochen vor der Meisterschaft durch Body-Pro von Powerstar Food, ein reines Eiklar- und Sojaprotein, um wirklich keinerlei Milchprodukte mehr zu konsumieren. Auch wenn der Verzicht von Milchprodukten umstritten ist (viele halten dies für überflüssig und behaupten, man würde unnötiger Weise eine hochwertige Proteinquelle streichen), so habe ich für mich raus gefunden, dass der Verzicht sich optisch sehr positiv auswirkt. Es scheint die Haut etwas dünner zu machen und die Definition besser zu Geltung zu bringen, aber das ist nur mein optischer Eindruck, letztendlich muss jeder selbst raus finden, ob sein Körper darauf anspricht.

Meine Fettquellen waren hauptsächlich hochwertige Öle, wie Leinöl, Hanföl und Olivenöl und Nüsse wie Mandeln oder Walnüsse. Zusätzlich gab es einmal die Woche frischen Fisch und natürlich meine tägliche Portion Omega-3 Kapseln. Die meisten Sportler machen sich Gedanken über ihre Fettzufuhr und versuchen, sämtliche schlechte und unnötigen Fette zu meiden. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass einige Fettsäuren essentiell sind, und der Körper sie täglich benötigt. Ein Esslöffel Leinöl im Frühstück hat noch keinem geschadet und war fester Bestandteil meiner Diät.

Anfang August - mein Start in die Wettkampfdiät

Meine Wettkampfdiät begann Anfang August, genau genommen am vierten. Zuvor stand allerdings noch die Hochzeit meiner Cousine an, am 2./3. August. Dies war für mich der passende Anlass, mir noch einmal viele leckere Dinge schmecken zu lassen und noch einmal so richtig zu zuschlagen, was alle Anwesenden bestätigen können. Zum Abschluss gab es noch sonntags morgens ein Frühstücksbuffet im Hotel, einen Tag später startete ich meine Diät elf Wochen vor der Meisterschaft mit 91,3kg.

Ich hatte mir dieses Jahr während der Vorbereitung eine Internetsperre auferlegt. Nach dem ich mich angemeldet hatte, schaute ich nicht mehr auf die Teilnehmerliste, die regelmäßig auf der Seite der GNBNF aktualisiert wurde. Auch die bekannten Internetforen mied ich. Ich googelte keinen meiner Konkurrenten und sah mir keinerlei Bilder oder Videos an mit Titeln, wie „…..weeks out for GNBF“. Natürlich interessiert es mich, was andere so in ihrer Vorbereitung machen, aber wenn man selbst unmittelbar vor einer Meisterschaft steht, dann können solche Dinge einen mehr irritieren und verunsichern. Zumindest bei mir ist das so. Ich wollte mich einzig und alleine auf mich konzentrieren und meiner, zu Beginn der Diät festgelegten Strategie treu bleiben. Je näher der Tag X rückt, umso sensibler und auch anfälliger wird man und fängt an, die eigene Vorgehensweise zu überdenken. Auch die eigene Wahrnehmung ist dann manchmal sehr merkwürdig. In solchen Situationen überlässt man diese Beurteilung am besten einer vertrauten Person und hört auf dessen Worte!

Eigentlich ist es fast egal, wer noch mit einem auf der Bühne steht. Das kann man nicht beeinflussen. Im Prinzip bleibt einem eh nichts anderes übrig, als in seiner persönlichen Bestform und bestmöglich vorbereitet zum Wettkampf zu erscheinen. Und genau darauf sollte man sich konzentrieren.

Die ersten Erfolge waren schnell sichtbar und der Körper reagierte gut auf die ersten Ernährungsumstellungen. Ich trainierte in zwei verschiedenen Studios, einmal in einem kleineren, privaten Studio in Hermeskeil, der Sport-Lounge Fuchs und in einem Discounter in Saarbrücken (DNS). Der Hauptvorteil solch eines Fitness-Discounters sind die Öffnungszeiten. So hat das besagte Studio in Saarbrücken fast täglich, mit Ausnahme einiger Feiertage rund um die Uhr geöffnet und sämtliche Geräte, Kniebeugenständer, Bänke und Hanteln sind in mehrfacher Ausführung vorhanden. Nur die Atmosphäre in einem privat geführten Studio ist eine ganz andere und nicht zu vergleichen mit den Szenen, die sich in manchen Mc-Fit´s und co. abspielen. Jeder, der selbst schon mal in einem Studio trainiert hat, in dem der Chef noch selbst hinter der Theke steht, weiß was ich meine. Soweit es sich einrichten ließ, trainierte ich vorwiegend in Hermeskeil. Das Studio dort ist sehr geräumig und es macht Spaß dort zu trainieren. Der Chef, der selbst schon Wettkämpfe bestritten hat, ist täglich anwesend und unter den Mitgliedern sind einige junge, motivierte Athleten, man hilft sich gegenseitig, spornt sich an und es herrscht eine gute Stimmung. Im Gegensatz dazu trainiert man in einem Studio einer Fitnesskette eher anonym, Kopfhörer rein und sein Programm durchziehen. Beides hat wieder seine Vor- und Nachteile.

Da ich weiterhin im Schichtdienst arbeite, inklusive Wochenend- und Feiertagsdiensten, bin ich auf ein Studio mit großzügigen Öffnungszeiten angewiesen. Mein Arbeitsplatz ist in Saarbrücken, zirka 60km von meinem Zuhause entfernt. Daher entschied ich mich zusätzlich für eine Mitgliedschaft im DNS in Saarbrücken. Ausschlaggebend waren die großzügigen Öffnungszeiten und die gute Parksituation. Nur so konnte ich gewährleisten, mein Traininsgspensum neben meiner Arbeit zu erfüllen. Es war zwar manchmal sehr stressig, morgens, besser gesagt nachts vor der Frühschicht oder an Feiertagen abends, nach der Mittagschicht noch trainieren zu gehen, aber während einer Wettkampfvorbereitung gibt es kein Pardon.

Ich trainierte abwechselnd mit einem 3er und 4er Split und konzentrierte mich weites gehend auf Grundübungen, allen voran auf Kniebeugen. Beine trainierte ich ausschließlich immer alleine, also ohne eine weitere Muskelgruppe. Gerade die Entwicklung der Beinmuskeln ist bei Wettkampf-Bodybuilding ein entscheidender Punkt. Ohne die passenden Beine bringt der beste Oberkörper nichts und gerade im Line-Up können gut trainierte Beine optisch sehr hervorstechen und die Blicke der Jury auf sich lenken.

Am liebsten trainiere ich auf nüchternen Magen, lediglich mit einigen Aminosäuren und BCAA in flüssiger Form im Magen. Auch wenn ich nicht direkt nach dem Aufstehen ins Training konnte und noch einige Zeit warten musste, aß ich lieber nix und versorgte meinen Körper nur mit etwas Protein bzw. Aminos. Ich spare mir einfach die Kalorien vor dem Training und esse dafür nach dem Training etwas mehr, getreu dem Motto, „das Futter muss man sich erst verdienen“! Wenn man schon sechs Stunden auf den Beinen ist, davon 3 mit intensivem Sport (Krafttraining und Cardio) verbracht hat und noch nichts gegessen hat, schmeckt der erste Bissen, auch wenn es nur trockener Reis ist, herrlich!

Mit dieser Taktik fuhr ich ganz gut, nur mit fortschreitender Diät und immer größerem Kaloriendefizit wird das verdammt hart. Mehr als einmal dachte ich bereits während des Aufwärmens, dass das Training so kaum funktionieren kann und wollte schon aufhören, weil ich einfach erschöpft, platt und hungrig war. Doch ich zog jede Einheit durch, ausnahmslos, und war hinterher immer fasziniert, zu was der menschliche Körper in der Lage ist. Wenn mir mittlerweile jemand im Studio erzählt, er könne heute nicht ordentlich trainieren, weil er nicht viel gegessen habe oder nicht gut geschlafen hat, kann ich nur schmunzeln. Das sind bloß Ausreden!

Ich stand morgens gegen vier Uhr auf, trank einige Tassen schwarzen Kaffee, nahm meine Supplemente, machte mich fertig, war dann gegen 6.00 Uhr in Saarbrücken im Studio, 1,5 Stunden Training, 30-45min. Cardio, duschen, fertig machen für die Arbeit und auf der Dienststelle angekommen wurde erst einmal Essen gekocht. Ich habe das große Glück, dass wir auf der Arbeit eine voll ausgestattete Küche haben. So konnte ich mir immer dann meine Tagesration Essen für den Tag frisch zubereiten. Ich nahm nur das vor geschnittene Gemüse und Fleisch von zu Hause mit, ein Sack Reis lag immer im Schrank. Dann arbeitete ich von 11 oder 12 Uhr an bis 20-21 Uhr und war dann nach gut einer Stunde Fahrzeit wieder daheim.

Der Ablauf war fast immer der gleiche, nur die Tageszeiten änderten sich, je nach dem welche Schicht ich hatte und in welchem Studio ich trainierte.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht ein kleines Dankeschön an meine Arbeitskollegen richten, die bei dem Anblick der täglichen Portion Hähnchen mit Reis und Gemüse zum Schluss nur noch lächelnd den Kopf schütteln konnten und leider auch so manche Launen von mir ertragen mussten, wenn es mir mal mit dem Essen nicht schnell genug ging, weil die Küche noch belegt war oder sich meine Ration bereits Stunden vor Feierabend dem Ende näherte.

Anfang September - die Diät lief voll nach Plan

Dustin Port GNBF Athlet bei der deutschen Bodybuilding Meisterschaft 2014Anfang September lag mein Gewicht nach gut vier Wochen Diät bei 86,4kg. Also voll im Plan. Mein Ziel war es, erneut im Leicht-Schwergewicht bis 85kg zu starten und dort einen Finalplatz zu erreichen. Letztes Jahr hatte ich knapp 82kg am Tag des Wettkampfes. Bei gleicher Definition und vielleicht einem guten Kilo Muskeln mehr, sollten meine Karten nicht schlecht stehen. Da ich aber die Gewichtsklasse (noch) nicht ganz ausreize und mit 1,85m doch relativ groß bin, war mir klar, dass ich mit guter Definition punkten muss. Leichter gesagt als getan, wenn man sich ständig mit Hunger rum plagt und man andauernd ans Essen denken muss. Wie im Jahr zuvor nahm ich wieder Fenidrol von AllStars, zusammen mit L-Carnitin und Grün-Tee-Extrakt um den Fettabbau zu unterstützen.

Einen Monat später war ich dann bei 83kg Körpergewicht angekommen. Die Form war sehr gut und endlich konnte man die Fortschritte gegenüber dem Vorjahr und die Ergebnisse der Aufbauphase sehen. Die Schultern hatten etwas zugelegt und die Beine waren auch sichtbar besser. Aber die größte Veränderung hatte ich wohl an den Waden zu verbuchen. Auch wenn es nur ein kleiner, unscheinbarer Muskel ist, ich hatte meine dünnen Unterschenkel satt und habe die Waden das ganze Jahr über intensiv trainiert, fast jede Trainingseinheit eine Übung, abwechselnd mit hohen und niedrigen Wiederholungszahlen und ich muss sagen, es hat funktioniert!

Noch 3 Wochen bis zum Wettkampf - jetzt nochmal Vollgas geben

Es waren noch drei Wochen bis zum Wettkampf. Ich opferte eine Trainingseinheit an den Gewichten und konzentrierte mich verstärkt aufs Posing. Wettkampfbodybuilding ist eine Präsentationssportart, dass wird leider viel zu oft vergessen. Dort gewinnt nicht derjenige, der das höchste Gewicht in der Kniebeuge bewegt oder auf der Bank drückt. Oder der am häufigsten und am längsten trainiert. Das richtige Posing ist auf der Bühne entscheidend! Viele gute Athleten sind schon mit brutaler Form zum Wettkampf erschienen und haben dann unnötiger Weise ein paar Plätze einbüßen müssen, nur weil sich schlecht präsentiert haben und die Pflichtposen nicht saßen. Also üben, üben, üben, da führt kein Weg dran vorbei, Pose für Pose.

Einen weiteren Unterschied gegenüber dem Vorjahr, war die Wahl der Wettkampffarbe. Dieses Jahr entschied ich mich für Dream Tan, Farbton gold-braun. Die Farbe wird am Wettkampftag aufgetragen und benötigt kein Vorbräunen. Für die Farbe war dieses Jahr meine Freundin zuständig und sie machte ihren Job großartig, es sah echt super aus! Nach dem Debakel mit meiner Bräunung letztes Jahr wollte ich den gleichen Fehler nicht erneut machen. Meine Freundin informierte sich im Internet, sah sich Videos an und sprach mit etlichen Athleten, die diese Farbe schon benutzt hatten. Auch das Team von Sportnahrung Engel konnte uns dies bezüglich sehr gut weiterhelfen. Nach einigen Probeläufen an verschiedenen Körperstellen war die beste Technik zum Auftragen der Farbe gefunden und de Wettkampf konnte kommen.

Im Gegensatz zum Vorjahr entfiel der Lügendetektortest komplett und man bekam keinen festen Termin mehr zum Einschreiben und Wiegen. Die Teilnehmerliste wurde immer länger und bereits einige Wochen vor Anmeldeschluss war die (Rekord!)Teilnehmerzahl aus dem Vorjahr überboten und man näherte sich den 200! Aus diesem Grund wurde zusätzlich zum Freitag der Donnerstag noch nachträglich als Termin zum Einschreiben vorgesehen, denn an einem einzigen Tag wäre das sehr stressig geworden. Aus weiser Voraussicht und nach den Erfahrungen, die ich bei vorangegangenen Wettkämpfen gesammelt hatte, wusste ich, dass diese Einschreibeprozedur manchmal sehr nervig sein kann und entschied mich dazu, bereits Donnerstags nach Wiesloch zu fahren um den Papierkram zu erledigen. So musste ich mich freitags um nichts mehr kümmern, konnte die Füße hoch legen, essen, entspannen und mich auf den Wettkampf konzentrieren. Meine Freundin und ich fuhren donnerstags wieder nach Hause, unser Hotel war erst ab Freitag reserviert, aber die Sprit kosten für eine zusätzliche Fahrt nach Wiesloch und zurück waren geringer, als eine weitere Übernachtung im Hotel. Und im Nachhinein kann ich sagen, dass es eine gute Entscheidung war. Als ich später die Bilder vom Einschreiben freitags sah und auch mit einigen Athleten redete, erfuhr ich, dass es sehr lange Wartezeiten gab, da die meisten Athleten erst freitags anreisten und nicht auf den Donnerstag ausweichen konnten.

Donnerstags mittags brachte ich beim Einschreiben 83,2kg auf die Waage, und das, mit einer fast dreitägigen Kohlenhydratabstinenz, also komplett Entladen. Bis zum Samstag sollte sich da noch etwas nach oben hin tun. Ich war zufrieden. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass das Wiegen wie letztes Jahr mit einer üblichen digitalen Personenwaage erfolgte, da kann das Gewicht (je nach Modell) gerne mal um ein gutes Kilogramm schwanken. Dies wurde auch einige Teilnehmern zum Verhängnis. Zeigte bei ihnen die heimische Waage noch das gewünschte Gewicht an, so war das Resultat vor Ort ein anderes und Sie mussten in der nächst höheren Gewichtsklasse starten. So etwas kann für manche sehr ärgerlich sein.

Da gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht mehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Ich schlief entspannt aus und machte mir zur aller erst mein Essen für den Tag fertig. Einen großen Topf Basmatireis mit Rosinen und Ananas, dazu etwas Putenfleisch. Zwischendurch gab es die ein oder andere Banane und Maiswaffeln. Ein geschmacklicher Hochgenuss! Und das ganze in ausreichender Menge, einfach toll. Ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich zufrieden und erleichtert. Man weiß, dass man seine Hausaufgaben gemacht und bestens vorbereitet zum Wettkampf fahren kann. Die Diät und das Training waren gut überstanden, die Pflichtposen saßen, die Kür auch, Posinghose, Startnummer, Farbe und Futter dabei, ich freute mich nur noch darauf, raus auf die Bühne zu gehen mein Bestes zu geben.

Der Wettkampftag

Nachdem alles gepackt und das Auto beladen war, fuhren wir nachmittags los in Richtung Wiesloch. Das Hotel war fünf Fahrminuten vom Veranstaltungsort entfernt. Ich lag den Rest des Tages entspannt im Bett, aß andauernd etwas und chillte vor mich hin. Der Wettkampf begann bereits früh morgens, sodass wir zeitig ins Bett gingen. Da ich noch keinerlei Selbstbräuner oder Farbe drauf hatte, konnte ich morgens vor der Meisterschaft noch entspannt duschen. Ein weiterer Vorteil von Dream Tan.

Am nächsten Morgen waren wir zeitig in der Veranstaltungshalle. Die meisten anderen Athleten aber auch. So ging die Suche nach einem geeigneten Plätzchen los. Der dafür vorgesehene Raum war schnell voll und es waren nur noch vereinzelt einige Plätze in der Mitte des Raumes frei. Zwar nicht optimal, aber was sollte ich machen. Während ich mir es notdürftig gemütlich zu machen versuchte, gab sich meine Freundin nicht damit zufrieden. Man lag wirklich dicht an dicht nebeneinander und es gab keinen Platz für den oder die Betreuer. Dass wurde dann wohl auch vom Veranstalter erkannt und so wurde der Bereich unmittelbar hinter der Bühne auch zum Athleten- und Warm-Up-Bereich erklärt. Als das meine Freundin mitbekam, eilte sie schnell zu mir und sagte mir leise, ich soll meine Sachen wieder zusammen räumen und mitkommen. Es hatte sich scheinbar noch nicht rum gesprochen zu haben, dass man sich auch hinter die Bühne legen konnte, denn dort war noch reichlich Platz und ich konnte mir eine ruhige Ecke aussuchen, wo ich sogar die Beine hoch legen konnte. Am Ende waren zirka 20-30 Athleten dort hinter der Bühne, mehr Platz war auch nicht, aber wirklich tausendmal besser als mit 150 anderen in einem großen Raum kreuz und quer zu liegen.

An dieser Stelle ein paar Worte zum Veranstaltungsort. Im Kongresszentrum Palatin in Wiesloch fanden bereits einige Bodybuilding-Wettkämpfe statt. 2006 war ich selbst dort auf der Deutschen Meisterschaft des DBFV. Somit hatten die Veranstalter vor Ort bereits Erfahrung mit Veranstaltungen dieser Art. Und auch der GNBF schien aus den Fehlern des letzten Jahres gelernt zu haben. Während die Halle letztes Jahr in Werdau etwas provisorisch und amateurhaft erschien (es war halt nur eine Turn- bzw. Mehrzweckhalle), vermittelte diese Location einen ganz anderen Eindruck. Das Foyer war sehr groß, es gab einige Stände von verschiedenen Firmen, das angrenzende Hotel bot Catering an, Sitzplätze und Tische waren vorhanden sowie gleich neben dem Gebäude ein Parkhaus. Der Saal war, ähnlich wie im Kino oder Theater, mit aufsteigenden Sitzreihen bestückt und man konnte die Bühne von jedem Platz gut erkennen. Auch wenn es in den Klassen mit hohen Teilnehmerzahlen etwas eng und unübersichtlich (bis zu 26 Athleten!) auf der Bühne wurde, so kann man nicht sagen, dass diese zu klein war. Die Beleuchtung war ebenfalls nicht zu beanstanden und in diesem hohen Saal blieb die Temperatur auf der Bühne erträglich. Einige Zuschauer erzählten, dass zu Beginn des Wettkampfes das Licht schlechter gewesen sein soll, da die Scheinwerfer noch nicht richtig eingestellt waren und dies erst im Laufe des Wettkampfes verbessert wurde. Da ich aber von den vorangegangenen Klassen kaum was mitbekam, kann ich dazu nichts sagen. Ich finde, der Ort wurde gut gewählt und die Organisation war für eine Veranstaltung dieser Größe voll in Ordnung. Natürlich hätte man den Athleten noch mehr Platz zum Ruhen und aufwärmen zur Verfügung stellen können, aber irgendwann stößt auch der beste Veranstaltungsort an seine (räumlichen) Grenzen. Auch Verzögerungen und Verspätungen im Zeitplan finde ich nicht so schlimm, solange es sich im Rahmen hält. Es ist ja wohl besser, die Jury lässt sich etwas mehr Zeit bei der Bewertung der einzelnen Klassen, als dass sie die Vergleiche aus Zeitdruck vorzeitig beenden.

Um 7.00Uhr war die Begrüßung aller Athleten und zwei Stunden später begann die Vorwahl. Erst die Frauen, Junioren, Masters, Paare, Internationale Klasse und dann erst die einzelnen Gewichtsklassen, beginnend vom

Bantamgewicht (bis 70kg) aufsteigend bis hin zum Schwergewicht (über 85kg). Meine Klasse, das Leicht-Schwergewicht bis 85kg war also die vorletzte Klasse und ich stellte mich auf eine etwas längere Wartezeit ein. Gut ausgerüstet mit iPod und MP3 Player machte ich es mir hinter der Bühne bequem. Ich ging im Kopf immer wieder die einzelnen Posen durch und konzentrierte mich auf das, was da gleich kommen mag. Zwischendurch gab es immer wieder einen Löffel Reis, Maiswaffeln und ein paar Kekse. Am Wettkampftag selber sollte man darauf achten, nicht zu viel zu essen, da man es sonst am gut gefüllten Magen sehen kann. Getrunken habe ich nur das nötigste, morgens eine Tasse Kaffee und über den Tag vielleicht 200ml Wasser. Aber der Durst hielt sich in Grenzen und das noch vorhandene Wasser im Körper war genau dort, wo es hin sollte.

Als die Klasse Männer International an der Reihe war, wurde es langsam ernst. Der eine entscheidende Moment stand bevor. Wenige Minuten für die man wochenlang gearbeitet und sein Bestes gegeben hat. Ich erinnerte mich an die ganzen Morgen, an denen ich den Wecker lieber zerschlagen hätte anstatt mich ins Training zu prügeln. An all die Zeit die ich dafür investiert hatte, stundenlang in der Küche und das fast immer gleiche Essen zu zubereiten. So viele schweißtreibende Trainingseinheiten.

Als das Leichtgewicht auf die Bühne ging machte ich mich bereit. Meine Freundin begann mit dem Auftragen der Farbe und ich machte mich schon einmal mental warm. Bis die erste Schicht Farbe drauf war, dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Da ich komplett ungebräunt war und ich von Natur aus ein heller Hauttyp bin, deckte die Farbe sehr gut und der Goldton kam gut zum Vorschein. Ich nahm zwei Kapseln L-Arginin und machte mich langsam warm. Das Blut floss in die Muskeln und der Pump brachte immer mehr Adern zum Vorschein, die Muskeln wurden immer praller und ich war bereit für die Vorwahl.

Kurz darauf wurden die Teilnehmer des Leicht-Schwergewicht aufgerufen, sich vor dem Bühnenaufgang ein zu finden. Insgesamt standen dort schließlich 9 Teilnehmer, was im Vergleich zu den anderen Klassen schon fast wenig war. Ich hatte mit mehr gerechnet. Aus dem letzten Jahr war lediglich Jeff Sibagatov mit dabei, die anderen Athleten kannte ich nicht. Dann ging es raus auf die Bühne. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der einzelnen Athleten folgten die Vierteldrehungen, ich konzentrierte mich darauf jeden Muskel anzuspannen und mich optimal zu präsentieren. Anschließend traten wir in den Bühnenhintergrund und es wurden die einzelnen Vergleiche aufgerufen. Ich war direkt im ersten Vergleich mit dabei, was ich als gutes Zeichen deutete. Mit meinem Ziel vor Augen einen Finalplatz zu erreichen, motivierte ich mich selber alles zu geben. Jede Pose saß und es machte mir Spaß. Den nächsten Vergleich verbrachte ich im Bühnenhintergrund wurde aber zum übernächsten wieder nach vorne gerufen. Danach war die Vorwahl beendet und wir konnten die Bühne wieder verlassen. Ich war zufrieden mit meiner Leistung und rechnete mir gute Chancen auf das Finale aus. Das Feedback meiner Freundin und einigen Freunden und Bekannten im Publikum war durchweg positiv und sie versicherten mir ich solle mir um einen Finalplatz keine Sorgen machen.

Doch bis zum Finale sollte noch einige Zeit vergehen. Die Vorwahl aller Klassen war erst gegen ca. 3 Uhr beendet und das für 4 Uhr angesetzte Finale verzögerte sich um eine gute halbe Stunde. Ich rechnete mit meiner Klasse nicht vor 8 Uhr wobei das noch sehr optimistisch war. Ich nutzte die Pause um mich im örtlichen Lebensmittelmarkt mit etwas Verpflegung einzudecken. Anschließend hieß es erneut Füße hoch legen und warten. Im laufenden Finale der Klassen vor mir war die Veranstaltung gut besucht. Ob es wie in Internetberichten beschrieben 800 Zuschauer waren kann ich nicht genau beurteilen, der Geräuschkulisse nach zu urteilen waren es scheinbar doppelt so viele.

Das Finale - es wird spannend!

Langsam hieß es für mich auch wieder auf in den Kampf. Erneut wurde etwas Farbe aufgetragen und stellenweise ausgebessert und ich schnappte mir ein Paar Hanteln um mich aufzuwärmen. Kurze Zeit später standen wir wieder in einer Reihe und warteten auf den Beginn des Finales. Ich wollte endlich da raus.....und los ging´s. Aus mir unerklärlichen Gründen waren zwei Teilnehmer gar nicht mehr erschienen. Aber das sollte mich nicht weiter stören. Endlich standen wir vorne im Line-Up und jeder Teilnehmer wurde erneut kurz vorgestellt. Dann verkündete die Jury die Finalisten. Als erstes: Startnummer 58, Dustin Port!!!! Jawoll! Direkt als erster aufgerufen, Finale erreicht und somit den fünften Platz sicher. Ich war zufrieden. Hinter der Bühne bereiteten wir uns auf unsere Küren vor. Ich war als erstes an der Reihe. Meine Kür hatte ich ausgiebig geübt und der Geräuschkulisse nach zu beurteilen ist sie gut beim Publikum angekommen. Zum Abschluss gab es noch erneut weitere vergleiche. Auch hier war ich direkt im ersten Durchgang dabei. Alles lief wirklich optimal. Im dritten Vergleich wurde meine Startnummer erneut aufgerufen. Ich merkte, dass das häufige üben der Grundposen sehr hilfreich war, denn es fiel mir wesentlich leichter, meinen ganzen Körper ständig unter Spannung zu halten und ich hatte so gut wie überhaupt keine Krämpfe. Es machte einfach nur einen riesen Spaß. Zum Abschluss gabs noch eine Minute Posedown. Finale beendet, alle traten wieder in den Bühnenhintergrund. Ich war gespannt, ob es mir vielleicht gelungen ist, noch ein oder zwei Plätze erkämpft zu haben. Der fünfte war mir ja sicher, ich hatte mein Ziel erreicht. „Auf dem fünften Platz, die Startnummer 173“. Okay, super, dachte ich mir, einen Platz weiter nach vorne, es kann nur noch besser werden. Als dann beim Aufruf des vierten Platzes meine Nummer wieder nicht genannt wurde, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ein Platz in den Top-3 war für mich kaum vorstellbar. Das Gefühl, in so einem Moment, wenn man dort oben auf der Bühne steht ist schon nicht schlecht.

Eigentlich freute ich mich ab diesem Zeitpunkt schon so sehr, dass ich eigentlich nur noch ans feiern dachte, aber ich musste mich (zum Glück) noch etwas gedulden. Denn der dritte Platz ging an nicht an mich, sondern an die Startnummer 19. Das war krass! Nur noch ich und noch einer waren übrig, ich konnte es kaum fassen. Okay, da wurde mir klar, dass ich den zweiten Platz belegen sollte, denn mein Konkurrent war wirklich stark und hatte den Sieg ehrlich verdient. Aber das war mir eigentlich ziemlich egal in diesem Moment, denn ich war einfach nur happy. Die Spannung wurde noch etwas erhöht, in dem wir zwei nach vorne Treten mussten, die restlichen traten zurück und nach einem kurzen musikalischem Einspieler wurde der zweite Platz und somit der Deutsche Vizemeister verkündet, Startnummer 58, Dustin Port! Geschafft! Es hat sich also wirklich ausgezahlt. Den zweiten Platz hatte ich nicht annähernd für möglich gehalten. Ich bezweifle, dass der Sieger sich mehr über seine Platzierung gefreut hat als ich.

Ich war so überwältigt von diesem Ergebnis, dass ich gar keinen richtigen Hunger hatte. Vorerst einmal nicht. Den obligatorischen Besuch einschlägiger Fast Food Restaurants sparten wir uns und fuhren glücklich in unser Hotel. Meiner Freundin hatte aber noch eine Überraschung für mich. Ihr ist es gelungen, einen Schokoladenkuchen, den Sie zu Hause gebacken hatte, fast unbemerkt mit ins Hotel zu schmuggeln.