Muskelfunktionen

Warum Muskeln so wichtig sind

Muskeln machen nicht nur stark, sie halten uns auch schlank, fit und gesund. Sie ermöglichen uns normale Bewegungen, wie beugen oder strecken, heben oder senken, heranziehen oder wegdrücken und drehen.
Sie lassen uns aufrecht gehen, schützen Gelenke und (unter-)stützen die Wirbelsäule. Nicht zuletzt verbrennen aktive Muskeln Fett. Wer also etwas für sich tun will, sollte seine Muskulatur erhalten oder sogar stärken. Für den Erhalt gilt ein biologisches Grundgesetz: Bekommen die Muskeln keine Reize, weil sie aus Bequemlichkeit nur minimal eingesetzt werden, verharren sie zunächst auf dem einmal ausgebildeten Niveau und bilden sich schließlich sogar zurück.

Fehlende Bewegung schwächt die Muskulatur

Ein durch Gipsverband ruhig gestelltes Bein nimmt bereits nach relativ kurzer Zeit deutlich an Umfang ab. Ursache dafür ist nicht ein Fettabbau, sondern ein Verlust an Beinmuskulatur.

Muskeln sind nicht nur etwas für Männer

Die fettfreie Körpersubstanz (Muskeln, Knochen, Organe und Körperwasser), das sogenannte Lean Body Maß, macht bei Frauen etwa 70 bis 80 Prozent des Körpergewichts aus, bei Männern sind es dagegen 80 bis 90 Prozent (je nach Trainingszustand). Da Muskeln stoffwechselaktives Gewebe sind und auch im Ruhezustand Energie verbrauchen, haben Männer deshalb einen höheren Grundumsatz als Frauen.

Frauen sollten aber keine Angst vor zu viel Muskeln haben, denn Muskulatur formt den Körper. Aufgrund vieler physiologischer Gegebenheiten

(Hormonproduktion) können Frauen zudem keine riesigen Muskelmassen aufbauen.

Aufbau und Funktion der Muskeln

Durch Zusammenziehen (Kontraktion) und Erschlaffung (Relaxation) ermöglicht das Muskelgewebe als Motor des gesamten Bewegungsapparates die aktiven Bewegungsabläufe unseres Körpers.

Die wichtigste Muskelgruppe ist die sogenannte Skelettmuskulatur. Der Grundbaustein der Skelettmuskulatur sind die quer gestreiften Muskelfasern, die wiederum zu größeren Muskelfaserbündeln zusammengefasst sind. Jede einzelne Muskelfaser beinhaltet kontraktile Elemente (Myofibrillen) für die Energieproduktion (Mitochondrien) sowie Energiespeicher (Glykogen).

Im Gegensatz zu anderen Muskelarten, z. B. die Darmmuskulatur, können wir die quer gestreifte Muskulatur in Kraft, Geschwindigkeit und Dauer der Kontraktion bewusst beeinflussen. 

Nicht alle Muskelfasern sind gleich

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass nicht alle Sportler durch dieselben Trainingsmaßnahmen auch den gleichen Erfolg erzielen. Das hängt damit zusammen, dass jeder Muskel aus verschiedenen Muskelfasertypen besteht. Man unterscheidet im Wesentlichen zwei unterschiedliche Typen: 

  • Rote langsam zuckende Muskelfasern (slow-twich-fibers oder ST Fasern) sind schlank. Sie kontrahieren und erschlaffen langsam, wie der Name schon sagt. Ihre rote Farbe erhalten sie durch einen hohen Myoglobingehalt. Das Protein Myoglobin ist der Sauerstoffspeicher des Muskels. Außerdem sind sie reich an Mitochondrien. Daraus resultiert eine höhere Kapazität bei der aeroben Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und Fetten für Ausdauerleistungen.  

  • Weiße, schnell zuckende Muskelfasern (fast-twich-glycolytic-fibre oder FTG-Fasern) enthalten weniger Myoglobin und haben damit ein blasses Aussehen. Weiße Fasern sind deutlich dicker als rote und verfügen über eine hohe Kapazität für kurzfristige, anerobe Kraftleistungen (Energie aus Kohlenhydraten ohne Sauerstoff). Die weißen Muskelfasern kommen überwiegend bei kurzen kraftvollen Bewegungsabläufen (Schnellkraft, Intervallbelastung) zum Einsatz und haben das größte Wachstumspotenzial.

Verteilung der Muskelfasertypen

Normalerweise finden sich schnell und langsam kontrahierende Muskelfasertypen etwa zu gleichen Teilen im Körper. Die genaue Zusammensetzung der Skelettmuskulatur aus den unterschiedlichen Fasertypen ist dabei stark anlagebedingt, was für beide Geschlechter gilt.

In Einzelfällen kann das Verteilungsmuster jedoch auch 90:10 bzw. 10:90 betragen. Solche Personen sind dann entweder Kraftsportler oder Marathonläufer. Das persönliche Verteilungsmuster der Muskelfasertypen (rechzeitig) zu erkennen, kann also unter den Zielsetzungen im Leistungs- und Hochleistungssport helfen, individuelle sportartspezifische Spitzenleistungen zu realisieren bzw. die persönlichen Chancen dafür auszuloten.

Für Spitzenleistungen im Bodybuilding ist ein hoher Anteil an weißen Muskelfasern günstig. Zwar können sich auch rote Fasern durch Training verdicken, die weißen neigen aber stärker zu Hypertrophie(Verdickung). Wer allerdings von vornherein viele rote und wenig weiße Fasern besitzt, kann dieses Verteilungsmuster auch durch Krafttraining nicht zugunsten der weißen verändern. Umgekehrt lassen sich jedoch weiße Fasern durch Ausdauertraining in rote umbilden.